Das vom Dokumentationszentrum Prora organisierte Treffen mit den ehemaligen polnischen Zwangsarbeitern hat Tradition und fand in diesem Jahr bereits zum 7. Mal statt. „Vor neun Jahren haben wir den Kontakt zu Opferorganisationen in Polen und Tschechien aufgenommen, 70 Zeitzeugen haben die Insel inzwischen besucht“, sagt Irene Schlundt vom Dokumentationszentrum.
Besonders engagiert bei den Begegnungen ist auch die Stadt Sassnitz. „Für die ältere Generation ist schon schwer zu verstehen, was geschehen ist. Für die Jugendlichen aber ist es noch viel mehr“, sagte Bürgermeister Dieter Holtz zur Begrüßung der Gäste und Schüler im Rathaus. „Wir sollten uns bemühen, uns zu versöhnen, aber nicht zu vergessen.“ Dies sei eine wichtige Aufgabe, der sich die Stadt Sassnitz sehr gerne stelle.
Täglich harte Arbeit auf dem Feld und in den Ställen, keine Freizeit, immer wieder Schläge und das Verbot, den Hof zu verlassen. „Als ich ankam, habe ich einen ganzen Tag nur geweint“, erzählt Marianna Karolczak, die als 16-Jährige auf einen Selliner Bauernhof gebracht wurde. Am schlimmsten waren für sie und die anderen Zeitzeugen die ständigen Beschimpfungen. „Polnisches Schwein — das bekamen wir häufig zu hören“, berichtet Czeslaw Beker, der die harte Zeit mit seinen Eltern auf einem Landgut in Zeiten bei Garz verlebte.
Unter den Gästen waren in diesem Jahr auch zwei ehemalige Häftlinge des Kinder-KZ Litzmannstadt im heutigen Lódz. Ewa Nowakowska wurde von 1943 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges dort gefangen gehalten. Ihr Vater war 1940 in Katyn ermordet, ihre im polnischen Widerstand aktive Mutter von den Deutschen festgenommen und hingerichtet worden.
Auch der Leidensweg von Alodia Witaszek-Napierala begann im KZ Litzmannstadt, als Fünfjährige. Zusammen mit ihrer Schwester wurde sie als „rassisch-wertvoll“ zur Zwangsgermanisierung ausgewählt und von einer deutschen Familie adoptiert. Erst 1947 konnte sie nach Polen zurückkehren. Ihre Erinnerungen an das KZ: „Unglaublicher Hunger, wir bekamen nur ein Stück trockenes Brot am Tag, das mussten wir verstecken, und es war bitterkalt.“
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